Windows 8 Futter


Tipps und Tricks zu Windows 8

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32 Bit Windows 8 mit vollen 4 GB oder 8 GB RAM

Geht nicht ! Werden viele sagen. Und es geht doch.

Vielfach geistert im Internet die Behauptung mit einem 32 Bit Betriebssystem können technisch nur maximal 4 GB RAM verwaltet werden. Das ist falsch und Microsoft belegt es sogar selbst, dass es mit der Spezial-Version von "Windows Server" geht:

Physical Memory Limits: Windows Server 2008
The following table specifies the limits on physical memory for Windows Server 2008. Limits greater than 4 GB for 32-bit Windows assume that PAE is enabled.

(Zu deutsch: Die folgende Tabelle spezifiziert die Grenzen des physischen Speichers für Windows Server 2008. Werte größer als 4 GB für 32-Bit-Windows setzen voraus, dass PAE aktiviert ist.)

Version Limit on X86 Limit on X64
Windows Server 2008 Datacenter 64 GB 1 TB
Windows Server 2008 Enterprise 64 GB 1 TB
Windows Server 2008 HPC Edition   128 GB
Windows Server 2008 Standard 4 GB 32 GB
Windows Small Business Server 2008 4 GB 32 GB
Windows Web Server 2008 4 GB 32 GB


Auch beim Thema "PAE" ("Physical Address Extension") schreibt Microsoft:

Physical Address Extension (PAE) is a processor feature that enables x86 processors to access more than 4 GB of physical memory on capable versions of Windows. Certain 32-bit versions of Windows Server running on x86-based systems can use PAE to access up to 64 GB or 128 GB of physical memory, depending on the physical address size of the processor.

(Zu deutsch: Physical Address Extension (PAE) ist eine Prozessor-Funktion, die es x86-Prozessoren ermöglicht auf mehr als 4 GB physischen Speicher auf dafür fähigen Windows-Versionen zuzugreifen. Bestimmte 32-Bit-Versionen von Windows Server die auf x86-basierten Systemen laufen können PAE nutzen um auf bis zu 64 GB oder 128 GB an physikalischem Speicher zuzugreifen, je nach der physikalischen Adresse Größe des Prozessors.)


Schon bei Windows 7 hatte man herausgefunden, dass für die 4 GB Grenze beim 32 Bit System lediglich eine winzig kleine Sperr-Routine im Kernel von Windows 7 dafür sorgte, dass nicht mehr wie 4 GB beim 32 Bit System möglich waren. Bei der Version "Windows 7 Starter" sorgte diese Sperr-Routine sogar dafür, dass nur 2 GB RAM nutzbar waren. Bei den 32 Bit Server-Versionen war diese Sperr-Routine nicht enthalten. Bei Windows 7 konnte man diese Sperr-Routine mit etwas Pfriemelarbeit manuell im Kernel entfernen. Das hatte allerdings den Nachteil, dass wenn Microsoft die Kernel-Datei bei einem Update aktualisierte, dass dann der Patch auch wieder verloren ging oder man mit einem veralteten Kernel weiterarbeitete oder man die ganze Pfriemelarbeit manuell mit dem neuen Kernel wiederholen musste.

Das italienische Programmiererteam von "saferbytes.it" um Andrea Allievi hat nun eine elegante andere Methode gefunden diese Sperr-Routine im Kernel von Windows 7 und Windows 8 zu umgehen. Dabei wird nicht mehr die Kernel-Datei direkt verändert. Stattdessen wird der "Master Boot Record" der Festplatte verändert. Beim Booten prüft ein winzig kleines Programm aus dem "Master Boot Record" ob ein 32 Bit Windows gestartet wird und entfernt anschließend im RAM die Sperr-Routine. Die eigentliche Kernel-Datei auf der Festplatte bleibt also unverändert da die Änderungen nur im RAM erfolgen. Auch bei zukünftigen Microsoft-Updates der Kernel-Datei sollte die Entfernung der 4 GB Grenze deshalb noch funktionieren.

Andrea Allievi hat dazu in seinem Blog ein kleines Programm veröffentlicht, das die Veränderung am "Master Boot Record" vornimmt ("Andrea" ist in Italien ein männlicher Vorname;  der deutsche Mädchenname "Andrea" entspricht in Italien dem "Andree" oder "Adreina").


Man kann - und sollte - diesen Patch unbedingt zuerst mit einem USB-Stick ausprobieren. Denn es gibt einige wenige Treiber die mit den vollen 4 GB RAM oder mehr bei einem 32 Bit Windows nicht klarkommen; z.B. Grafiktreiber oder Soundtreiber. Dazu wird der MBR-Patch einfach auf einem USB-Stick installiert. Wird dann vom USB-Stick gebootet kann man gefahrlos testen ob alles ordnungsgemäß funktioniert. Sollte in wenigen Fällen Windows nicht mehr zufriedenstellend funktionieren, bootet man einfach ohne USB-Stick neu.

BootKit Installation auf USB-Stick
Hier erfolgt eine Warnung, dass "eventuell" Dateien
auf dem USB-Stick verlorengehen könnten:
BootKit Installation auf USB-Stick Warnung
BootKit Installation auf USB-Stick erfolgreich

Während des Bootvorgangs sieht man nur ganz kurz oben links auf dem Bildschirm den Text "Starting Memory Bootkit" aufblitzen. Nach dem Booten sollte man zuerst mit der Tastenkombination "Windows-Taste + Pause" die Systemeigenschaften aufrufen um die Speichernutzung zu überprüfen:

  4 GB 6 GB 8 GB
Ohne BootKit: Systemeigenschaften 4 GB ohne BootKit4 GB ohne BootKit
Systemeigenschaften 4 GB ohne BootKit
Systemeigenschaften 6 GB ohne BootKit6 GB ohne BootKit
Systemeigenschaften 6 GB ohne BootKit
Systemeigenschaften 8 GB ohne BootKit8 GB ohne BootKit
Systemeigenschaften 8 GB ohne BootKit
 
Mit BootKit: Systemeigenschaften 4 GB mit BootKit4 GB mit BootKit
Systemeigenschaften 4 GB mit BootKit
Systemeigenschaften 6 GB mit BootKit6 GB mit BootKit
Systemeigenschaften 6 GB mit BootKit
Systemeigenschaften 8 GB mit BootKit8 GB mit BootKit
Systemeigenschaften 8 GB mit BootKit

Die Speichernutzung kann auch sehr gut mit dem Ressourcen-Monitor überprüft werden:

  4 GB 6 GB 8 GB
Ohne BootKit: Ressourcen-Monitor 4 GB ohne BootKit4 GB ohne BootKit
Ressourcen-Monitor 4 GB ohne BootKit
Ressourcen-Monitor 6 GB ohne BootKit6 GB ohne BootKit
Ressourcen-Monitor 6 GB ohne BootKit
Ressourcen-Monitor 8 GB ohne BootKit8 GB ohne BootKit
Ressourcen-Monitor 8 GB ohne BootKit
 
Mit BootKit: Ressourcen-Monitor 4 GB mit BootKit4 GB mit BootKit
Ressourcen-Monitor 4 GB mit BootKit
Ressourcen-Monitor 6 GB mit BootKit6 GB mit BootKit
Ressourcen-Monitor 6 GB mit BootKit
Ressourcen-Monitor 8 GB mit BootKit8 GB mit BootKit
Ressourcen-Monitor 8 GB mit BootKit
 
Mit BootKit und
vollem Speicher:
Ressourcen-Monitor 4 GB mit BootKit und vollem Speicher4 GB mit BootKit und vollem Speicher
Ressourcen-Monitor 4 GB mit BootKit und vollem Speicher
Ressourcen-Monitor 6 GB mit BootKit und vollem Speicher6 GB mit BootKit und vollem Speicher
Ressourcen-Monitor 6 GB mit BootKit und vollem Speicher
Ressourcen-Monitor 8 GB mit BootKit und vollem Speicher8 GB mit BootKit und vollem Speicher
Ressourcen-Monitor 8 GB mit BootKit und vollem Speicher

Beim Testrechner sieht man folgendes:

  • Der Testrechner hat lediglich eine Onboard-Grafikkarte. Die Grafikkarte zwackt also einen Teil des RAM für eigene Zwecke ab. Im BIOS wurden dafür 32 MB fest eingestellt. Deshalb sieht man bei "BootKit"-Verwendung den grauen Bereich: "Für Hardware reserviert 34 MB" (32 MB für Grafik, 2 MB für diverse Input/Output-Zwischenspeicher; z.B. USB-Buffer).
  • Die Auslagerungsdatei ("pagefile.sys") wurde für den Test deaktiviert, damit Windows wirklich nur den physikalisch vorhandenen RAM nutzt und ihn nicht virtuell durch die Auslagerungsdatei erhöht.

Hier zwei Screenshots die das volllaufen der Arbeitsspeichers zeigen:

Taskmanager Arbeitspeicher leerArbeitspeicher leer
Taskmanager Arbeitspeicher leer
Taskmanager Arbeitspeicher vollArbeitspeicher voll
Taskmanager Arbeitspeicher voll

 

Installation:

 BootKit Installation
BootKit Installation erfolgreich

Anmerkungen:

  • Als USB-Stick reicht ein kleiner USB-Stick; z.B. 64 KB. Ab 512 KB kann man auf dem USB-Stick noch zusätzlich das "BootKit"-Installations-Programm zur Sicherheit speichern. Damit kann man bei Bedarf das "BootKit" auch wieder von der Festplatte deinstallieren; selbst dann, wenn Windows nicht mehr bootet (siehe unten).
  • Ein mit "BootKit" präparierter USB-Stick lässt sich nur auf dem PC verwenden auf dem der Stick erstellt wurde.
  • Der modifizierte MBR lässt sich mit Programm "BootKit" wieder entfernen.
  • Das Programm "BootKit" ist eine "portable" Anwendung - braucht also nicht installiert werden und kann direkt vom USB-Stick aus starten.
  • Wenn Windows nicht mehr startet weil z.B. eine neue Grafikkarte installiert wurde und der Grafikkartentreiber nicht mit dem vielen RAM klar kommt:
    • Von der Windows 8 Installations DVD booten
    • Nach der Sprachauswahl mit der Tastenkombination "Shift + F10" die "Eingabeaufforderung" aufrufen.
    • Von dort aus zum Speicherort des "BootKit"-Installations-Programm wechseln; z.B. auf den USB-Stick D:
    • Erneut das "BootKit"-Installations-Programm starten und den ursprünglichen MBR wiederherstellen:

BootKit entfernen
BootKit entfernen erfolgreich

Homepage: Saferbytes x86 memory bootkit
Download: BootkitInstaller.zip